Schweizer Archive bewahren einen unschätzbaren kulturellen Schatz: Tausende von Dokumenten, Briefen, Karten und Fotografien, die über Jahrhunderte gesammelt wurden. Künstliche Intelligenz eröffnet neue Möglichkeiten, dieses Erbe zugänglich zu machen und für zukünftige Generationen zu sichern.
OCR und KI-gestützte Texterkennung
Die optische Zeichenerkennung (OCR) hat sich durch KI dramatisch verbessert. Moderne Systeme können auch schwer lesbare Handschriften, verblasste Tinte und historische Schriften wie Kurrent oder Sütterlin erkennen. Das Projekt „Transkribus“ wird beispielsweise von zahlreichen Schweizer Archiven genutzt, um historische Dokumente zu transkribieren.
- Dokumente nach Thema, Zeitraum und Art automatisch zu klassifizieren
- Personen, Orte und Ereignisse in Texten automatisch zu identifizieren (Named Entity Recognition)
- Duplikate zu erkennen und Varianten desselben Dokuments zusammenzuführen
- Suchfunktionen zu verbessern, sodass Forschende relevante Dokumente schneller finden
Beispiele aus der Schweizer Archivlandschaft
Das Bundesarchiv in Bern, die Kantons- und Stadtarchive sowie kirchliche Archive nutzen zunehmend digitale Tools. Das Projekt „e-manuscripta“ macht mittelalterliche Handschriften aus Schweizer Bibliotheken online zugänglich – unterstützt durch KI-gestützte Erschliessungstools.
Bildanalyse für Fotoarchive
Fotografische Archive umfassen oft Millionen von Bildern. KI kann:
- Motive automatisch erkennen und beschriften (Menschen, Orte, Objekte)
- Gesichtserkennung für die Identifikation historischer Persönlichkeiten einsetzen
- Bildqualität bewerten und Restaurierungsbedarf identifizieren
- Ähnliche Bilder clustern und strukturieren
Mehrsprachigkeit als besondere Herausforderung
Schweizer Archive enthalten Dokumente in Deutsch, Französisch, Italienisch, Rätoromanisch und Latein. KI-gestützte Übersetzungstools und mehrsprachige Suchfunktionen helfen, sprachliche Barrieren zu überwinden und das kulturelle Erbe für alle Landesteile zugänglich zu machen.
Datenschutz und ethische Überlegungen
Bei der Digitalisierung müssen personenbezogene Daten in historischen Dokumenten geschützt werden. KI kann dabei helfen, solche Daten zu identifizieren und zu schützen – muss aber selbst mit Bedacht eingesetzt werden, insbesondere bei der Gesichtserkennung.
Fazit
KI ist für Schweizer Archive ein Game-Changer. Sie ermöglicht es, das kulturelle Erbe der Schweiz schneller, umfassender und kostengünstiger zu erschliessen als je zuvor. Investitionen in KI-gestützte Archivierungssysteme sind Investitionen in die kollektive Erinnerung des Landes.
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